Über das Schreiben

Figuren, Plot, Stil etc.

Schreibseminare

Schreibseminare können eine wunderbare Bereicherung sein – egal, ob man einen Kurs besucht, ehe man sich mit dem neuen Manuskript beschäftigt, oder während man im Schreibprozess ist.
Vor wenigen Jahren – nach einigen Veröffentlichungen – drängte es mich geradezu in einen Schreibkurs. So sehr, dass ich mich schließlich für zwei Volkshochschulkurse entschied.

Geballtes Wissen gepaart mit guten Übungen

Zwei Schreibseminare an Wochenendtagen bieten gewiss nicht genug, um eine fundierte Aussage über Volkshochschulkurse oder Schreibseminare allgemein zu geben. Nichtsdestotrotz möchte ich darüber berichten.

In beiden Kursen arbeiteten wir in einer überschaubar kleinen Gruppe von maximal zwölf Teilnehmern. Die Altersstufen variieren fast so stark wie die Schreiberfahrung und die Kenntnisse der Teilnehmer. Die Vielfalt war groß. Da war die Studentin, die an ihrem ersten Manuskript arbeitete, die leitende Angestellte, die hauptsächlich Kurgeschichten verfasste, der voll berufstätige Vater, der seine Idee noch nicht realisiert hatte, und Pensionäre, die regelmäßig schrieben. Auch Teilnehmer, die hin und wieder publizierten, fanden sich in einem solchen Kurs.

Mit manchen Leuten kam man gut ins Gespräch, mit anderen noch besser. Kurzgeschichten unter Zeitdruck zu schreiben erwies sich für mich hingegen als eine Herausforderung. Zum einen ist es mehr als fünf Jahre her, dass ich eine Kurzgeschichte verfasst habe, zum anderen empfinde ich es als anstrengend, mir innerhalb kurzer Zeit eine Geschichte auszudenken und sie niederzuschreiben. Auf der anderen Seite setzte die festgesetzte Zeitspanne ungeahnte Kräfte frei.

Schaffenskrise?

Eine nette Gruppe und konstruktive Kritik machten die Schreibseminare zu einem Erfolgserlebnis. Immer wieder ging mir durch den Kopf, dass der Lernprozess praktisch nie abgeschlossen werden kann. Doch selbst wenn ich für mehrere der verfassten Geschichten Lob erntete, plagten mich während des Kurses mehr Selbstzweifel denn je. Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich noch lange nicht weiß, was ich über das Schreiben zu wissen glaubte. Oder dass ich ohne den Austausch mit anderen Autoren nicht wissen kann, was ich über den Schreibprozess längst wissen sollte.

Die Quelle der Inspiration sprudelte ungemein. Gleichzeitig wurde ich mir des Ausmaßes des Schreibens – des damit verbundenen Aufwands, der Anstrengung, der möglichen Erwartung der Leser – wirklich bewusst. Die Erkenntnis ließ das Erzählen einer Geschichte plötzlich zu einem Berg heranwachsen, dessen Bezwingung mich all meine Energie kosten würde. Was mir einst dank Vorarbeit, dank Lese- und Interpretationserfahrung leichter gefallen war, erschien mir zwar als machbar, aber auch als kräftezehrend.

Theorie und Praxis

Im Theorieteil haben wir z. B. ausführlich über die Charakterentwicklung und die Möglichkeiten, Sinneswahrnehmungen darzustellen, gesprochen. Im Team erarbeiteten wir uns literarische Hilfsmittel und setzten uns mit einigen Werken berühmter Schriftsteller auseinander. Es war sehr hilfreich, sich mit Beispielen diverser Epochen zu beschäftigen und Parallelen und Gegensätze zu entdecken.

Die Kurse boten neue Blickwinkel. Dort lernte ich beispielsweise einen weiteren wichtigen Grund für das Dasein der Nebenfiguren kennen. So haben die Nebenfiguren unter anderem die Aufgabe, mindestens einen Charakterzug der Hauptfigur zu enthüllen. Ich bin in mich gegangen und habe mich gefragt, welche Aspekte die Nebenfiguren in Lias Fall in meiner Trilogie zum Vorschein bringen. Annie beispielsweise weckt von Zeit zu Zeit ihren Beschützerinstinkt, Sonja hingegen das Misstrauen und Nel offenbart Lias regelmäßig aufflammende Naivität. Saschas Gegenwart wirkt sich auf verschiedene Weisen auf die Protagonistin aus; zum einen nährt er ihre Gier, zum anderen schenkt er ihr Glauben und Zuversicht, als sie am meisten an sich zweifelt. Und Dorian? Dorian hat zweifellos den größten Einfluss auf Lias Persönlichkeit und fördert diverse Eigenschaften zutage.

Fazit

Gelohnt haben sich die Schreibseminare auf jeden Fall. Nicht nur hatte ich das Vergnügen, neue Menschen kennenzulernen. Darüber hinaus durfte ich Werke großer Schriftsteller analysieren und daraus lernen. Sich die Texte der Teilnehmer und Verbesserungsvorschläge anzuhören bot eine wunderbare Gelegenheit, nützliche Aspekte für die eigene Schreibtätigkeit zu entdecken.

In den beiden Wochenendkursen haben wir uns auf mannigfaltige Art und Weise mit dem Schreibprozess auseinandergesetzt. Natürlich stimme ich dem Leiter zu, der sagte, dass man sich Ratschläge ruhig anhören soll, allerdings für sich entscheiden muss, in welchem Umfang man welche umsetzt. Alles in allem kann ich Schreibseminare wirklich empfehlen und freue mich schon auf die Kurse, die ich im neuen Jahr besuchen werde.

Interview

Die wenigsten Autoren kommen ohne Recherche aus. Bücher werden aufgeschlagen und Internetartikel durchforstet, um sich geschichtliche Fakten anzueignen. Film- und Fernsehbeiträge erweitern z.B. das Hintergrundwissen zu einem bestimmten Thema. Dokumentationen sowie gedruckte Reiseberichte und Blogeinträge wiederum erwecken einen Handlungsort zum Leben. Nichtsdestotrotz ist eine Fahrt oder der Flug zum Setting manchmal unumgänglich.

Meist verlangt die Recherche eine Kombination der genannten Möglichkeiten. Lesen, sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen – um sich gründlich auf das nächste Manuskript vorzubereiten, aktivieren Autoren all ihre Sinne.

Spannend ist es, ein Interview mit Experten zu führen. Für die Introvertierten unter uns ist es eine gruselige Vorstellung. Doch ein Gespräch mit Fachleuten hilft nicht nur, über den eigenen Schatten zu springen. Es ermöglicht auch, ein Thema intensiv von allen Seiten zu beleuchten und Dinge zu erfahren, nach denen man vielleicht gar nicht gefragt hätte.

Das persönliche Gespräch


Als ich an meinem Urban-Fantasy-Roman arbeitete, suchte ich einzelne, potenzielle Schauplätze auf. Dort angekommen, habe ich z.B. geschätzt, wie hoch etwa die Zäune sind, über die meine Protagonistin auf der Jagd / Flucht springen muss. Ebenso habe ich mir notiert, was sich im Umkreis befindet.

Für eine der wichtigsten Szenen des Jugendbuchs bin ich u.a. zur Verwertung von Altmetall gegangen und habe versucht, mir die Details einzuprägen. Ich habe mich gefragt: Was genau enthalten die Schrottberge? Wie klingt es, wenn die schweren Maschinen Metallklumpen heben? Wie würde sich ein Mensch fühlen, wenn auf ihn plötzlich ein Greifarm zuschießt?

Außerdem fragte ich einen netten Mann, ob ich mich etwas umsehen darf. Als ich sagte, dass ich für einen Roman recherchiere, legte der Mann den Kopf leicht schräg und musterte mich interessiert. „Ach, Sie schreiben? Was denn?“
Verlegen lächelte ich und murmelte etwas wie „Im Moment hauptsächlich Fantasy“.
Natürlich war er so freundlich, mir die Möglichkeit zu geben, Eindrücke zu sammeln.

Ein anderes Mal ging ich zu einer Polizeistation in München und holte mir Informationen. Freundliche Herren nahmen sich etwas Zeit für mich. Allerdings gingen sie auf die einzelnen Fragen nicht detailliert ein, denn sie waren schließlich im Dienst. Trotzdem war das Interview quasi zwischen Tür und Angel sehr aufschluss- und hilfreich.

Kontaktaufnahme für ein Interview


Damals habe ich die Polizei spontan aufgesucht. Heute gehe ich definitiv anders vor, wenn ich ein Interview führen möchte. Grundsätzlich kontaktiere ich Fachleute zunächst telefonisch oder per E-Mail. Bleibt die Reaktion aus, wende ich mich an den nächsten Experten. Normalerweise ist es so, dass sich nicht wenige geschmeichelt fühlen, wenn sie um Rat gebeten werden, deshalb helfen sie gern wissensdurstigen Schreibenden. Ein Kaffee (oder eine ähnliche, kleine Wertschätzung) für die Mühe und Zeit der Interviewpartner kommen immer gut an.

Das Handwerk im Wandel

Die Erzählstruktur und -weise befinden sich permanent im Wandel. Mal stärker, mal kaum spürbar. Stets gibt es Autoren, die die vorhandenen Strukturen ein wenig auflockern und sie verbiegen, die kleine Experimente wagen. Was über die Stränge schlägt, schlägt aus wie ein Seismograf, hinterlässt aber nicht immer bleibende Spuren, sodass manch ungewöhnliche Versuche, die Struktur nachhaltig zu beeinflussen, wenn nicht sogar umzukrempeln, letzten Endes ins Leere laufen. Doch manche literarischen Experimente setzen sich durch, stecken einen Schriftsteller nach dem anderen an und verändern nachhaltig das Schreibwesen.

Verschiedene Formen, die die niedergeschriebenen Geschichten im Laufe der Zeit angenommen haben, haben ihre Daseinsberechtigung, denn sie spiegeln den Zeitgeist wider. Permanente Erreichbarkeit, dauerhafte Vernetzung, Eile und Hast haben der Literatur das sanfte Hineingleiten in die Geschichte vor Jahren genommen. Sie werfen die Leser mitten ins Geschehen und lassen ihn im kalten Wasser zappeln. Sie haben den Roman von zwei Geschichten in einer, d.h. der Einbettung einer Geschichte in eine weitere befreit, sodass die Leser gleich in eine fiktive Welt eintauchen, ohne einem Erzähler, also einer fiktiven Figur zu lauschen, die sie auf eine Reise mitnimmt.

Zeigen soll man – nicht länger beschreiben. Die Wortmenge in einem Satz auf eine bestimmte Anzahl begrenzen. Sparsam mit Adjektiven umgehen, wenn nicht sogar auf Vergleiche zurückzugreifen, um sie zu vermeiden. Auf Füllwörter möglichst verzichten. – Das sind eigentlich keine Regeln, obwohl sie vielleicht diesen Anschein erwecken, sofern sie mit genug Nachdruck geäußert werden, sondern viel mehr Trends, wenngleich langanhaltende Trends. In der Literatur gibt es weder Richtig noch Falsch. Eine Aneinanderreihung von Sätzen, die aus zwei, drei Worten bestehen, erschwert vielleicht das Lesen, erfüllt jedoch eine Funktion: Sie hebt etwas hervor, sie beschleunigt das Tempo, oder sie entpuppt sich als ein Ausdruck künstlerischer Freiheit.

Was mir besonders in den letzten Jahren aufgefallen ist, möchte ich in diesem Kapitel auflisten und mit einigen, relativ aktuellen Beispielen untermalen.

Dialoge


In J. P. Delaneys The Girl Before – Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot. bin ich wieder auf eine Form, Dialoge zu verarbeiten, gestoßen, wie ich sie vor einigen Jahren bereits in Lilian Lokes Gold in den Straßen gesehen habe: Dialoge werden nicht mehr als solche gekennzeichnet. The Girl Before erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die nicht nur die Tatsache vereint, dass sie in dasselbe Haus ziehen, in dem Minimalismus und strikte Ordnung herrschen, oder dass sie sich in denselben Mann verlieben. Nach einem schweren Schicksalsschlag zieht Jane in ein ultramodernes Gebäude in einem Londoner Stadtteil und beginnt eine Affäre mit Edward Monkford, dem Architekten des ungewöhnlichen Hauses. Als sie erfährt, dass ihre Vorgängerin, Emma, zu früh aus dem Leben gerissen wurde, ist ihre Neugier geweckt. Auf der Suche nach der Wahrheit stellt sie fest, dass ihr die junge Frau ähnlichsah, und dass auch sie sich auf eine Liaison mit Monkford eingelassen hat.

Der Brite, der sich hinter dem Pseudonym J. P. Delaney verbirgt, nimmt sich die Freiheit heraus, diese in einem der beiden Handlungsstränge seiner Protagonistinnen praktisch durchgehend ohne Anführungszeichen aufzuführen. In einer Amazon-Rezension habe ich die Bemerkung gelesen, dass dieser Stil als Kunstgriff verstanden werden kann, der dazu dient, die Grenzen zwischen Gedanken und gesprochenen Worten der Beteiligten zu verwischen. Das passt exzellent zu Delaneys Protagonistin, die im Verlauf der Geschichte zu überraschen weiß.

Lilian Loke hingegen, die mit ihrem Debut Gold in den Straßen den Tukan-Preis der Stadt München gewonnen hat, hält diesen Stil konsequent durch. In ihrem Roman geht es um den Makler Thomas Meyer. Sein Name mag alltäglich klingen, doch ganz gewöhnlich ist Thomas nicht. Er fühlt seinen Kunden auf den Zahn und vermag, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Ehrgeizig und zielstrebig steuert Thomas auf die Beförderung zu. Der Tod seines Vaters eröffnet eine weitere Möglichkeit, Geld zu scheffeln: Das Grundstück des geerbten Geschäfts verspricht hohe Gewinne.

Perspektivenkombination und Zeitsprünge


Ich muss gestehen, dass ich kein Fan von mehreren Perspektiven in einem Roman bin. Von einem Handlungsstrang zum nächsten zu springen strengt mich immer wieder an. Zudem befürchte ich, dass mir wichtige Details aus dem Leben der Protagonisten entgehen, wenn ich mal eine Pause von mehreren Tagen einlege, was angesichts diverser Herausforderungen des Alltags nun mal passieren kann. J. P. Delaney verfährt in The Girl Before ziemlich elegant, indem die Stränge von Emma und Jane mit Informationen gespeist werden, die sich immer mehr und mehr überlappen, sich ergänzen und zum besseren Verständnis beitragen.

Im Thriller Good as Gone : Ein Mädchen verschwindet. Eine Fremde kehrt zurück. lässt Amy Gentry ihre Protagonistinnen in der 1. und 3. Person zu Wort kommen. Darin wird die 13-jährige Julie Whitaker eines Nachts aus dem Elternhaus entführt. Acht Jahre später taucht sie vor der Haustür auf. Recht bald verstrickt sie sich in Halbwahrheiten und Lügen, sodass ihre Mutter Anna anfängt, sich zu fragen, ob die junge Frau wirklich ihre Tochter ist. Mit jedem Tag, der verstreicht, wachsen Annas Zweifel.

Amy Gentry wählt einmal die Perspektive von Anna, dann wandert sie zu Julie, bzw. dem Mädchen, das sich als Julie ausgibt, und von dem im Leseverlauf klar wird, dass es unter verschiedenen Namen auftritt. Die weitere Besonderheit des Romans besteht darin, dass der zweite Handlungsstrang chronologisch mal mehr, mal weniger konsequent zurückwandert und die drängende Frage erst nach einigen hundert Seiten beantwortet. Für mich persönlich war diese Erzählweise durchaus innovativ, weshalb ich sie hier unbedingt aufführen muss. Erst gegen Ende harmoniert der Roman, was Tempus und Perspektive angeht.

Anna, die Mutter, meldet sich in der Ich-Form zu Wort. Ihr Erzählstrang wird regelmäßig von einem anderen abgewechselt, in dem in der 3. Person erzählt wird. Mir persönlich erschienen die Perspektivsprünge als etwas exotisch, doch im Laufe des Romans gewöhnte ich mich daran. Dasselbe galt auch für den permanenten Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit. Der Erzählstrang im Präsens erzeugte den Eindruck, man sei mitten im Geschehen im Hier und Jetzt – unabhängig davon, wann man das Buch zur Seite legte und es wieder in die Hand nahm -, wodurch die Spannung aufrechterhalten wurde.

Alles eine Frage der Gewohnheit


Ihr seht, die moderne Literatur experimentiert gern – solange der Verlag es gestattet. Die Ergebnisse mögen nicht jedermanns Geschmack entsprechen. Gewöhnungsbedürftig erscheinen sie uns, wenn sie uns mit Unkonventionellem konfrontieren. Vielleicht sogar unbequem, sobald sie uns Leserinnen und Leser auffordern, uns von herkömmlichen Mustern und Regeln zu entfernen. Aber sie bringen nicht selten Abwechslung und somit frischen Wind in die Regale der Buchhandlungen.

5 Gründe, mit dem Schreiben aufzuhören

Schreiben ist ein wunderbares Hobby! Egal, ob Kurzgeschichte, Essay oder Roman – Protagonisten in die wildesten Abenteuer zu schicken macht Spaß, verlangt aber auch einiges von Autorinnen und Autoren ab. Aber Schreiben bedeutet harte Arbeit. Es schadet daher nicht, das Hobby zu hinterfragen, das so viel Zeit verschlingt. Denn hin und wieder ist es besser, seine Zeit in komplett andere Dinge zu investieren, als das Schreiben. Ich beginne meinen Blog mal ein wenig unkonventionell und nenne fünf Gründe, die dafür sprechen, mit dem Schreiben aufzuhören.

1. Reich & berühmt

Als ich im Alter von 17, 18 Jahren mit der Idee infiziert wurde, meinen Namen auf einem Buchumschlag zu sehen, besorgte ich mir einen Schreibratgeber. Einer der wichtigsten Punkte, die mich zum Kauf bewogen haben, war die Frage nach dem Verdienst eines Autors. Das Kapitel war ernüchternd. Je nach Bekanntheitsgrad darf man mit ein bisschen oder ein bisschen mehr Taschengeld rechnen, begriff ich. Einen Bestseller zu landen gleicht einem Sechser im Lotto.

Aber es gibt wirklich Autorinnen und Autoren, die sich vom Verkauf ihres Romandebüts bereits eine ansehnliche Summe versprechen. Darüber hinaus möchten sie nicht nur ihren Namen auf einem Cover sehen, sondern hoffen auf eine große Fangemeinde, die sich ab dem ersten Roman praktisch von allein aufbaut. Selbstverständlich ist beides möglich. Außerdem ist es sicherlich nicht verkehrt, seine Ziele höher zu setzen. Allerdings können sie selten zeitnah realisiert werden. Schließlich gibt es jährlich mehr als 90 000 Publikationen und nur wenige schaffen es in die Top 10. Geduld ist angesagt. Geduld und harte Arbeit. Fans müssen erst gewonnen werden. Das erreicht man nicht nur mit Romanen, sondern auch mithilfe der sozialen Medien, lokaler Zeitungen oder Sendungen und Lesungen.

Dass der Roman ein regelmäßiges, passives Einkommen ermöglicht, von dem man einigermaßen leben kann, trifft auch nur auf eine kleine Anzahl von Autoren zu. Langer Atem ist grundsätzlich angesagt, wünscht man sich Ruhm und Erfolg. Doch selbst dann können die meisten Autoren zwar von ihrem Honorar wöchentlich gut dinieren. Für mehr reicht es aber erst nach mehreren Veröffentlichungen sowie Kontaktpflege zu Redaktionen und Fans.

2. Etwas Neues ausprobieren

Kennst Du auch den Spruch, ein Mensch müsse im Laufe seines Lebens ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, ein Buch geschrieben und ein Kind in die Welt gesetzt haben? Es handelt sich hierbei um Ziele, die ein einziges Menschenleben im Normalfall überdauern und Spuren hinterlassen. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass jeder Mensch etwas zu erzählen hat. Ob die Leserinnen und Leser an der Geschichte interessiert sind, variiert gewiss. Nichtsdestotrotz.

Dass jemand schon immer ein eigenes Buch in den Händen halten und sich mit den Lesern über seine Geschichte austauschen wollte, aus Zeitgründen seinen Wunsch aber erst sehr viel später realisiert, kommt oft vor. Der Fehler, den man nicht machen sollte, ist, sich ohne Vorbereitung an die Arbeit zu machen. Die Vorarbeit besteht nicht nur darin, möglichst oft und viel zu lesen, sondern auch, sich mit dem Thema Schreiben intensiv auseinanderzusetzen. Ratgeber, Internetartikel, Wochenendseminare, Volkshochschulkurse etc. können helfen, den Blick zu schärfen und literarische Fähigkeiten zu verbessern.

Übung macht den Meister! Mit jedem Roman, selbst wenn er nur in der Schublade landet oder auf der Festplatte bleibt, werden Autoren besser.

3. Schreiben ist nicht Deine Leidenschaft

Schreiben ist ein zeitintensives Hobby, das dem Autor einiges abverlangt: Studium des kreativen Schreibens, Recherche, Schreibvorgang, Korrektur und Lektorat, Überarbeitung nach einem professionellen Lektorat, Marketingarbeit und weitere Schritte, die von Autor zu Autor variieren. Wer selbst veröffentlicht, muss auch noch Zeit für den Publikationsvorgang hinzurechnen.

Die meiste Arbeit entsteht jedoch durch das Schreiben. Ein Autor reiht nicht nur Wörter aneinander. Er überlegt im Vorfeld, wie die Geschichte beginnt, welche Konflikte sich ergeben, was als Nächstes geschieht und wie die Geschichte endet. Fast jeden Tag zu schreiben erfordert Disziplin, Stärke und Durchhaltevermögen. Freundschaften und andere Hobbys können schnell auf der Strecke bleiben. Geduld ist eine wichtige Voraussetzung, um ein Werk zu beginnen und es auch zu beenden.

Im Internet habe ich mal gelesen, dass ein bekannter Autor die Arbeit eines Freundes begutachten sollte, der seit mehr als zwei Jahren an seinem Roman arbeitete. Dem Autor stach sofort der Stilmix ins Auge. Deshalb empfehle ich: Lieber setzt man sich von Anfang an das Ziel, eine bestimmte Seitenanzahl pro Tag zu schaffen, als die Arbeit auf viele Monate oder gar Jahre zu strecken.

Ich selbst habe ein paar Ideen mitten im Schreibvorgang abgebrochen, weil es mir an Zeit, aber vor allem an Motivation mangelte. Obwohl die Ideen nicht schlecht waren, fehlte mir das gewisse Etwas. Ich fragte mich: Möchte ich den Protagonisten folgen und mich mit ihnen der Gefahr stellen? – Die Antwort lautete „Nein“. Die Aussicht auf die Herausforderungen entfachte in mir einfach keine Leidenschaft. Andere Hobbys hingegen schon.

4. Der Protagonist weiß nicht, wohin die Reise geht – der Autor genauso wenig

Ein Freund bat mich mal, seine Geschichte zu bewerten. Er hatte einzelne, wichtige Schritte herausgearbeitet, die Figuren bestimmt und mir eine Art erweitertes Exposé vorgelegt. Nach der Lektüre fragte ich mich: Was will mir der Autor sagen? Wovon handelt das Manuskript eigentlich?

Seine Figuren erlebten ein Abenteuer nach dem anderen, fanden auf ihren Streifzügen durch das Land Schätze und kämpften gegen Antagonisten. Doch keine Figur machte eine besondere Veränderung durch, keine wollte etwas Bestimmtes finden oder erreichen, über sich hinauswachsen oder jemanden retten, der ihr nahesteht. Man könnte also sagen, dass es sich bei diesem Werk um eine Ansammlung von Episoden einer herumziehenden Gruppe handelte.

Die Unterhaltungsliteratur erwartet, dass der Protagonist, bzw. die Protagonistin entweder die Welt – oder den Partner oder die Familie, um es eine Spur kleiner zu machen – rettet, oder den guten Ruf wiederherstellen, sich selbst herausfordern und über sich hinauswachsen will, den Partner für’s Leben finden möchte etc.

In meinem Roman Da.Sein versucht die Protagonistin, sich von der Mutter abzunabeln und das eigene Glück zu finden. Stadtrivalen zeichnet aus, dass sich eine Gruppe Jugendlicher mithilfe besonderer Kräfte bereichern will, jedoch begreift, dass sie mehr als ihre Gesundheit riskiert, wenn sie dem Teufelskreis nicht entrinnt. In Hoffnungsleuchten beschließt die Protagonistin, sich von einem wichtigen Traum zu verabschieden und ihr Leben neu auszurichten.

Aneinandergereihte Episoden mögen durchaus ihren Reiz haben, doch die meisten Leserinnen und Leser sehnen sich nach einer klaren Struktur. Diese ist vorhanden, wenn man seinen Protagonisten Ziele gibt, in ihnen den brennenden Wunsch weckt, etwas zu erreichen.

5. Eigentlich willst Du nur Deine Ruhe

Autorinnen und Autoren sind ein Völkchen für sich. Der Autor zieht sich für Stunden in sein Kämmerlein zurück und produziert Kaffee-schlürfend und rauchend Wunderwerke. – Ein Klischee? Gewiss! Dennoch steckt ein Fünkchen Wahrheit in dieser Behauptung, nämlich: Arbeit in Abgeschiedenheit. Wer nicht in Kooperation mit anderen schreibt, geht seinem Hobby für gewöhnlich allein nach.

Der Autor, dessen Werk in einem kleinen oder mittleren Verlag untergekommen ist, muss sich früher oder später der Öffentlichkeit stellen. Seit Jahren ist es üblich, dass Autoren kleiner, mittlerer und manchmal sogar auch die Neuen in großen Verlagen ihren Bekanntheitsgrad selbst erhöhen müssen. Es genügt nicht, dass der Roman im Verlagskatalog und auf der Webseite auftaucht. Schon vor der Veröffentlichung empfiehlt es sich, die richtigen Ansprechpartner verschiedener Redaktionen, Blogger etc. zu kontaktieren. Möchte man sein Buch in einer Buchhandlung sehen, muss man auf die Verantwortlichen persönlich zugehen. Von Lesungen will ich erst gar nicht anfangen. Sich selbst und sein Werk Fremden vorzustellen erfordert Mut und Selbstvertrauen.

Für den introvertierten Autor wird es eine Qual sein, seinen Roman zu vermarkten, da er sich selbst verkaufen muss. Diese Arbeit kann unangenehm sein. Man weiß, dass die Redaktionen, Blogger und Buchhandlungen täglich genügend Anfragen bekommen, und man als lästig angesehen wird. Doch ob Self-Publisher oder Verlagsautor – die Selbstvermarktung bleibt einem selten erspart.

Tu es!

Nun habe ich genug Gründe geliefert, keinen Roman zu schreiben und zu publizieren. Du musst aber Deinen Roman unbedingt mit der Welt teilen, wenn Lesen und Schreiben zu Deinen Lieblingshobbys zählen, eine Romanidee sich in Deinem Kopf manifestiert hat und Dich Tag und Nacht beschäftigt. Eiserner Wille, Sitzfleisch und die Bereitschaft, den Alltag dem Hobby eine Zeitlang anzupassen, werden Dir dabei helfen, innerhalb mehrerer Monate ein Manuskript zu beenden.

Ein gewisser Grad an Extrovertiertheit ermöglicht Dir, Kontakte zu knüpfen und eine Fangemeinde aufzubauen. Mit jedem Manuskript wirst Du besser, mit jedem veröffentlichten Roman bekannter, und eines Tages wirst Du vielleicht den Bestseller schreiben, von dem Du schon immer geträumt hast. In diesem Sinne … Schreibe weiter und habe Spaß dabei!