Setting

Nie war es einfacher, die Welt zu erkunden, ohne sein Zimmer zu verlassen. Heutzutage muss man nicht zwangsweise nach Texas fliegen, um darüber zu schreiben. Verschiedene Literatur, Internetartikel, Dokumentationen, Google Earth, Erfahrungsberichte im Internet sowie dessen Fülle an Artikeln vermitteln ein umfangreiches Bild des Handlungsortes unserer Wahl. Das Setting spielt für eine Geschichte eine große Rolle. Es gibt den Figuren nicht nur Handlungsspielraum oder begrenzt diesen, sondern erfüllt überdies verschiedene Funktionen:

  • spannende Schauplätze (z.B. für Verfolgungsjagden oder die Schatzsuche)
  • Hintergrundinformationen
  • Abbild des Charakters

Jede Stadt hat ihre Geheimnisse. Ihre Gassen und Winkel, ihre verborgenen Plätze, die nur wenigen bekannt sind, bieten Möglichkeiten, den Plot spannend zu gestalten. Ist es nicht reizvoll, seine Figuren durch die Straßen einer Kleinstadt Italiens zu jagen, wo sie z.B. über Steinpflaster stolpern, unter denen sich Hinweise auf das Versteck eines Schatzes befinden? Oder damit sie auf den Eingang zu einer Höhle mit heißbegehrten Artefakten stoßen?

Das Setting dient auch als Informations- und Inspirationsquelle. Wer schon immer von einem Aufenthalt in New York geträumt hat, aber aus diversen Gründen bisher nicht hingeflogen ist, kann zumindest beim Lesen in seiner Fantasie reisen. Historische Romane wiederum vermögen, die Neugier auf Orte zu befriedigen, die sich im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Wie regelten die Menschen vor langer Zeit ihren Alltag? Mit welchen Widrigkeiten hatten sie zu kämpfen? Wie wurde ein Dorf ausgebaut, das im Laufe der Zeit zu einer Metropole heranwuchs?

Meine Lieblingsfunktion ist aber der dritte Punkt: Die Korrelation zwischen dem Handlungsort und den Protagonisten. Manche Autoren spannen eine imaginäre Brücke zwischen dem Setting und ihren Hauptfiguren. Eine Stadt kann so düster und gefährlich wie die dunkle Seele des Protagonisten sein (wie z.B. in Christopher Nolans Batman Begins). In Städten mit Lärm, Musik und Stimmen, mit ihren farbigen Häusern und zahlreichen mobilen Möglichkeiten hingegen wohnen geschäftige, dynamische Figuren. Das Finstere oder die pulsierende Lebendigkeit der Wohnorte spiegelt den Charakter der Agierenden wider.

Die Qual der Wahl

Das richtige Setting für das aktuelle Manuskript auszuwählen ist manchmal eine Kunst. Manchmal jedoch entscheidet das Herz. Es lohnt sich, darauf zu hören. Denn im Nachhinein stellt man fest, wie wunderbar der Handlungsort ins Gesamtgefüge passt. – Zumindest ist es mir so bei der Arbeit an meiner jüngsten Publikation Hoffnungsleuchten ergangen.

Obwohl ich San Francisco während meines Trips als eine Stadt erlebt habe, in der der Wind jeden Winkel zu beherrschen scheint, machte ich sie zum Setting meines Romans. Der Wind und die zahlreichen Hügel der Stadt symbolisieren das Auf und Ab im Leben der Protagonistin. Er und der beschwerliche Weg nach oben stehen für die anstrengende Bemühung, das Ziel zu erreichen. Der Abstieg symbolisiert die Leichtigkeit, die Alison empfindet, wenn sie mal wieder eine Hürde überwunden hat.

San Francisco hat mich vor allem mit seiner Architektur becirct. In hellen Tönen erstrahlen die Häuser, die das Flair einer vergangenen Epoche versprühen. Sie wirken freundlich und gediegen, egal, wie sehr ihnen das Wetter zusetzt. Hier sehe ich erneut Parallelen zu meiner Protagonistin. Denn trotz diverser Schicksalsschläge bleibt Alison meist höflich, humorvoll und optimistisch.

Auch die Lärm- und Geräuschkulisse und Geschäftigkeit auf den Straßen – die arbeitende Bevölkerung in Eile, herumschlendernde Touristen, Schüler und Studenten mit normalem Gehtempo – qualifizieren San Francisco für mein Manuskript. In ihren ruhigen Momenten besticht die Stadt ebenfalls mit Charme und passt daher wunderbar zu meiner Protagonistin. – Oder die Protagonistin zu ihr.

San Francisco von oben
Posted on: 26. Februar 2020Carolina

2 Gedanken zu „Setting

  1. Hallöchen!

    Ups, wieder recht spät entdeckt …

    Da ich hauptsächlich Fantasy in eigenen Welten schreibe, lasse ich mich nur grob von realen Orten inspirieren; aber natürlich ist der Handlungsort sehr wichtig, vor allem für die Protagonisten, die durch ihre Umgebung geprägt werden.

    Sehr faszinierend fand ich hier deinen Absatz über die verborgenen Gassen und Winkel einer Stadt, denn diesen Aspekt habe ich bisher nicht so stark beachtet – Gedanken über Stadt und Umgebung hatte ich allemal, aber erst durch diesen kleinen Absatz wurde mir klar, wie wichtig ein Ort nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für die Handlung sein kann. Wenn ich nur an die unendlichen Möglichkeiten denke …! Vielen lieben Dank für diese Inspiration!

    Aber ich finde, dass man eine gute Geschichte auch ohne einen wichtigen Ort schreiben kann – zwar ist es umso cooler, wenn man es schafft, ihn relevant zu machen (und ich glaube, das werde ich in Zukunft verstärkt tun), aber ich habe nichts gegen Geschichten, die den Ort eher allgemein halten und sich auf andere Aspekte konzentrieren 🙂

    Nichtsdestotrotz – mich juckt es in den Fingern, die Orte, in denen meine Charaktere leben, nun näher zu untersuchen …

    Liebe Grüße!
    Tatjana

    1. Hallo Tatjana,

      vielen Dank für Dein Feedback!
      Es ist immer erfrischend, andere Meinungen zu lesen. Ich hoffe, bald wieder von Dir zu hören, bzw. zu lesen! 🙂

      Viele Grüße

      Carolina

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