Über das Nicht-Schreiben …


Sehr oft liest man Internet, man solle schreiben. Egal, wie viel Energie der Tag gefressen hat, egal, wie unkonzentriert man ist, man möge sich hinsetzen und wenigstens ein paar Sätze tippen. … Nun, nach einer miserablen Nacht mit wenig Schlaf oder nach einem Kräfte zehrenden Tag wird man sicherlich in der Lage sein, einige oder sogar mehrere intelligente Sätze niederzuschreiben und die Handlung voranzutreiben. Hat man jedoch nicht genug Zeit, sich zu regenerieren, weil der Schlaf jede zweite oder dritte Nacht aus diversen Gründen gestört wird, die täglichen Aufgaben sich türmen und die Konzentration gegen Abend schwindet, ist es kaum möglich, etwas Brauchbares zu fabrizieren.

Ich liebe das Schreiben. Ich empfinde es als eine sinnvolle Tätigkeit. Als eine Gelegenheit, konzentriert zu arbeiten und voll im kreativen Schaffen aufzugehen. Als einen Moment, der nur meinen Figuren und mir gehört. Als eine Möglichkeit, den Fluss der Fantasie zu bündeln und davon zu profitieren. Und als eine einzigartige Reise. Wenn ich schreibe, befindet sich mein Körper im Zimmer, mein Geist hingegen legt binnen Sekunden Hunderte, Tausende von Kilometern zurück. Er wandert durch Raum und Zeit, sieht Dinge, die niemand außer ihm sehen kann, er kostet, spürt und hört. Er genießt, er fürchtet, er kämpft, er siegt. Er erkennt.

Schreiben macht Spaß. Aber es ist auch harte Arbeit. Figuren ins Leben rufen, leiten und lenken, Plotelemente logisch miteinander verknüpfen, Worte aneinanderreihen und dabei mit der Sprache jonglieren erfordert Zeit, Geduld und geistige Ressourcen. Wer sich zum Schreiben berufen fühlt, empfindet Respekt gegenüber seinen Leser*innen, Figuren und dem Handwerk selbst. Ab und an wird er sich – der Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder anderen Gründen geschuldet – wohl Patzer erlauben. Hauptsachte, er schreibt weiter und korrigiert eines Tages die weniger gelungenen Textstellen. Wenn aber schlechte Textpassagen Seite für Seite füllen, wenn die ungeschickte Wortwahl das Lesen zur Qual degradiert, Banalitäten, die dazu dienen, das tägliche Schreibziel zu erreichen, die Handlung bremsen und die Protagonisten für die Leser*innen an Reiz verlieren, läuft etwas gehörig schief.

Natürlich könnte man sagen, dass jeder fertige Text die Schreibenden näher ans Ziel bringt (gelungener Roman, Verlagsveröffentlichung etc.). Man könnte die aus der Sicht der Schreibenden misslungene Arbeit auch als einen Prototyp für das Manuskript betrachten, das eines Tages geschrieben und um Längen besser als der Vorgänger sein wird. Doch jetzt mal ehrlich, wer von uns hat so viel Zeit, Monate in einen Rohentwurf zu investieren, der ohnehin im Papierkorb landet? Wenn ich trotz Schlafmangel und Erschöpfung, trotz schlechter Laune zu Hause diverse Aufgaben erledige, bin ich zufriedener, als wenn ich schlechte Texte produziere. Und solange mich zu viele Faktoren daran hindern, regelmäßig auszuschlafen und konzentriert zu arbeiten, mich zu viele Aufgaben davon abhalten, dem Recherchieren und Schreiben ein angemessenes Zeitfenster zu geben, solange werde ich nur kurze Texte verfassen.


… und wie man dennoch glücklich wird



Schreibende sind Künstler, Kreative und Kulturschaffende. Nicht selten haben sie mindestens eine Arbeit beendet und stürzen sich bereits auf das nächste Projekt. Schreiben ist für sie ein Bedürfnis, eine Freude und manchmal sogar eine Erlösung. Autor*innen versuchen, der Ideenflut in ihrem Kopf Herr zu werden und Geschichten, die darauf drängen, erzählt zu werden, digital oder auf Papier festzuhalten. Sie haben einen besonders starken Drang, ihre Kreativität auszuleben, und tun es, indem sie schreiben. Zeit, harte Arbeit und Leidenschaft lassen ein Manuskript reifen. Distanz, Hinterfragen und Sorgfalt veredeln dieses.

Autor*innen zeichnen sich vor allem durch Kreativität aus. Wie sollte es denn auch anders sein? Immerhin beleben sie vergangene Epochen, halten die Gegenwart fest und entwerfen eine alternative oder die zukünftige Welt. Sie porträtieren Menschen, die sich aus ihren Erinnerungen, Beobachtungen und Fantasie zusammensetzen, und geben ihnen Raum, sich zu verselbstständigen. Wenn jedoch äußere Umstände und die Gemütslage sie daran hindern, ihr volles Potential zu entfalten, dann suchen sie sich andere Ventile für die Kreativität.

Seit ich keine Romane mehr schreibe, zeichne ich immer wieder. Dabei greife ich oft auf Blei- und Buntstifte zurück, aber auch Acryl- und Aquarellfarben nutze ich ab und an gern. Manchmal zeichne ich mit einem Radierer. Radierer eignen sich hervorragend, um dreidimensionale Objekte zu „zeichnen“. Hin und wieder nutze ich meine Bleistiftentwürfe, um sie mit dem Programm „ArtRage“ zu digitalisieren. Ich liebe es, die Kreativität auf diese Art zu bündeln und meine Ideen zu verwirklichen. Zeichnen ermöglicht mir, ein Projekt innerhalb von wenigen Stunden oder ein paar Tagen zu beenden. Ich liebe das befriedigende Gefühl, eine Idee erfolgreich und zeitnah umgesetzt zu haben, und ein neues Werk zu beginnen. Außerdem freue ich mich, wieder eine neue Technik ausprobiert oder eine ältere perfektioniert zu haben.

Manchmal, aber nur manchmal schleicht sich der Gedanke in meinen Kopf, ein Printexemplar im Selfpublishing herauszugeben, in dem ich verschiedene Techniken vorstelle. Nicht als Lehrbuch, sondern als ein Werk, um sich inspirieren zu lassen. Dann jedoch denke ich an all die Romanideen, die sich auf meinem Laptop befinden und darauf warten, geordnet, ausgearbeitet und in eine Geschichte eingebettet zu werden … und das Inspirationsbuch rückt in weite Ferne.

Kreative Arbeiten: Eine Zeichnung auf schwarzem Karton, ein Aquarellbild und ein digitales.
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Posted on: 23. Oktober 2021Carolina

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